Die Lowlands sind Hochburg der Grain Whiskys
Südlich jener gedachten Linie, die das schottische Hochland vom Tiefland trennt, sind nur noch drei Brennereien in Betrieb, die Whisky aus einer reinen Gerstenmalz-Maische herstellen. Dennoch spielen die Lowlands eine tragende Rolle im Whiskygeschäft: Bis auf Invergordon sind alle Grain Distilleries hier angesiedelt, das Blending findet überwiegend in dieser Region statt, und der Handel mit »Schottlands Gold« wird in den Städten im Süden abgewickelt.
Oben ist immer dort, wo die Macht sitzt. In Schottland ist unten oben. Das Land wurde und wird von den Lowlands aus regiert, wo auch die Industrie ihren Anfang nahm, wo bis heute der wirtschaftliche Schwerpunkt liegt. Wer von der Sonne der Macht beschienen wird, darf hoffen, daß ihm eher Vorteile zugeschanzt werden als denen im Schatten: Im Jahr 1784 trennt ein Gesetz Schottland in Lowlands und Highlands. Für die Whiskybrenner südlich der imaginären Grenze ist diese Teilung wie ein warmer Sommerregen. Sie sind von nun an gegen die Konkurrenz aus dem Hochland besser geschützt, weil der Whisky nur noch regional vermarktet werden darf.
Dabei hatte der Süden Schottlands zuvor schon die Vorteile auf seiner Seite. Hier wurde Landwirtschaft in großem Stil betrieben, hier war die Kornkammer des Landes. In den Lowlands wurde jede Erfindung umgehend genutzt: der neue Pflug, die Mähmaschine und die Dreschmaschine. Eine blühende Landwirtschaft wirkt sich naturgemäß auch positiv auf das Brenngewerbe aus, und so wurde in den Lowlands die Destillation schon industrialisiert, als die Highlanders noch brannten wie die Hinterwäldler. Daß dieses im Süden wenig geschätzte wilde Volk aus dem Hochland dennoch ein nach Mehrheitsmeinung besseres uisge beatha zustandebrachte als die vergleichsweise hochentwickelten Brennereien in den Lowlands, steht auf einem anderen Blatt.
...lesen Sie weiter im Whisky-Botschafter Heft 2005/1 Winter (zum Abo-Service)
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