| SPEYSIDE – EINE WHISKY-REGION OHNE KLARE GRENZEN
Das Tal des Livet, der nach ihm benannte Malt und eine Reihe von Brennereien, die ihrem eigenen den Namen Glenlivet anhängten, begründeten den Ruf der Region, die in der Folgezeit deutlich erweitert und Speyside genannt wurde. Dieses »Herzstück des Hochlandes« wird allgemein gelobt für seine delikaten Malts. Aber die Grenzen der Speyside sind bis heute nicht eindeutig definiert.
Das wär doch mal die ideale Strafe für einen, der einen alten Single Malt mit Cola auffüllt oder eine gute Flasche nicht mit Freunden teilen will: Erstelle die definitive Liste der Speyside-Destillerien! Der Mensch wird Panschen und Geiz in endlosen Stunden mit wachsender Verzweiflung büßen. Jede Liste, die er verfaßte, muß er nach der Lektüre des nächsten Sachbuchs korrigieren. Jedes »Googlen« kostet ihn entweder eine zu löschende oder eine einzufügende Zeile. Er versudelt drei, vier Landkarten der schottischen Highlands mit immer neuen Grenzlinien, die er nach den Angaben zieht, die er irgendwo gelesen hat … Diese Speyside ist ein Gummigebiet, das jeder Autor nach seinem Gusto streckt oder drückt. Wenn Hersteller oder Vermarkter von Highland Single Malt ihre stills dem Herzstück des Hochlandes zuordnen, mag das verständlich sein: Die Speyside – spéj ausgesprochen, nicht etwa spie – gilt landläufig nun einmal als Quelle der besten Malzwhiskys. Diese Ansicht ist zwar eine höchst pauschale und etwa so ernst zu nehmen wie die Behauptung, der beste Schaumwein komme aus der Champagne. Aber sie ist verbreitet: »Kein wahrer oder zumindest urteilsfähiger Whiskyliebhaber, der dieses fast heilige Gebiet frei von Ehrfurcht betreten könnte«, schrieb Aeneas Macdonald schon 1930. Er könnte das heute noch genau so schreiben.
...lesen Sie weiter im Whisky-Botschafter Heft 2005/4 Herbst (zum Abo-Service)
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