| Die Kuckuckseier
DAS FINISHING IN »FREMDFÄSSERN« NIMMT STÄNDIG ZU Der bei uns heimische Gewöhnliche Kuckuck gehört zu jenen Vertretern der Familie Cuculidae, die ihre Eier in fremde ester legen. In unserem Fall sind die Masterblender die Kuckucks, und Winzer, Rum-, Cognac- und andere Brenner stellen die Nester: Immer mehr Whisk(e)y wird für eine abschliessende Reifung in Holzfässer gegeben, die zuvor anderen als den üblichen Alkohol enthielten.
Die Spötter haben schon vor geraumer Zeit ihre Zungen gewetzt. Wann mit einem Heringsfaß-Finish zu rechnen sein, wollten sie wissen. Ob irgendwann ein Single Malt »Finished in Aceto-Balsamico-Casks« offeriert werde, fragten sie in Leserbriefen. Und der eine oder andere Zeitgenosse weiß wahrscheinlich noch gar nichts mit dem Begriff Finishing anzufangen.
Eine wörtliche Übersetzung würde der Sache kaum gerecht. Das Wort finish steht in diesem Fall weniger für »beenden« als für »vollenden« oder auch »abrunden«: Whisk(e)y wird nach seiner regulären Reifezeit in ein anderes Faß umgefüllt, um sich in diesem geschmacklich den letzten Pfiff abzuholen, sich quasi »parfümieren« zu lassen. Diese abschließende, zweite Reifung – eher: Nachreifung – kann dem Whisk(e)y aber durchaus auch noch ein Mehr an Tiefe und Komplexität geben.
Ein Getreidedestillat darf nur dann als Whisky oder Whiskey etikettiert werden, wenn es, erstens, nach den entsprechenden Bestimmungen des Erzeugerlandes hergestellt wurde und, zweitens, die Mindestreifezeit im Holzfaß verbrachte. Als Holz ist Eiche vorgeschrieben, weil sich die als am geeignetsten für die Reifung von Whisk(e)y erwiesen hat. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Verwendung von neuen, innen ausgekohlten Fässern aus Amerikanischer Eiche (Quercus alba) vorgeschrieben, und davon profitieren die Schotten wie die Iren: Sie kaufen die nur einmal zum Reifen von Bourbon verwendeten Fässer und lassen darin ihre Whisk(e)ys altern. Gut neun Zehntel der Fässer in den warehouses Schottlands sind Schätzungen zufolge ehemalige Bourbon-Fässer.
...lesen Sie weiter im Whisky-Botschafter Heft 2006/1 Winter (zum Abo-Service)
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