Spatenstiche in die Vergangenheit

 

Bruichladdich Whisky Academy: Das Torfstechen

An der Whisky Academy von Bruichladdich können interessierte Freunde des Malts lernen, wie dieser hergestellt wird. Nicht über graue Theorie, sondern – quasi als Lehrling – über aktive Mitarbeit in jeder Phase der Herstellung. Das dauert eine Woche und vermittelt wahrscheinlich mehr Wissen als alle Fachliteratur zusammen. GERLINDE ERTL hat diesen Intensivkurs mitgemacht und berichtet hier darüber. In dieser, unserer letzten Folge geht es um den Torf.



Mit einem schmatzenden Geräusch dringt der Torfspaten in die feuchte, tiefschwarze Masse, die vom Aussehen her an einen Schokoladenpudding erinnert. Anschließend gilt es, die gestochene Torfsäule mit fließender, eleganter Bewegung schwungvoll auf die Moorfläche neben mir zu heben. Norman hatte es mir vorgemacht, aber irgendwie will mir das nicht so recht gelingen. Zwar landet die Torfsäule wirklich neben mir – aber sie zerbricht in drei Teile.

»Versuch’s noch einmal, du schaffst das«, ermuntert mich Norman mit blitzenden Augen. Also wieder den Torfspaten ansetzen, und das ganze Prozedere beginnt von vorne. Langsam habe ich den Dreh heraus und schaffe es, die Torfsäulen in einem Stück auf das Moor zu drapieren.
Ein knapper dreiviertel Meter Moor mit einer quadratischen Grundfläche von 20 mal 20 Zentimetern, das sind die Maße der triefendnassen Torfstücke, die ich dem Moor im wahrsten Sinne des Wortes abtrotze. Den Dreh habe ich inzwischen wirklich raus. Dafür melden sich langsam, aber zunehmend Muskelstränge, von deren Existenz ich vorher nichts ahnte. Der Rücken beginnt zu schmerzen und die Oberarmmuskulatur protestiert jetzt lauthals.

Nach einer Viertelstunde stelle ich die Arbeit ein. Wieviel Torf habe ich gestochen? Vielleicht genug für ein, zwei gemütliche Abende am Kamin. Aber bei weitem nicht genug für einen der hungrigen Öfen unter einer kiln. Etwa eine Tonne Torf schlucken beispielsweise die Öfen von Highland Park – Bruichladdich hat zum Glück noch keine eigene kiln. Wenn ich mir vorstelle, daß für eine Tonne trockenen Torfs die doppelte Menge triefend nassen Torfs aus dem Moor gestochen werden müssen, ist mein Haufen frustrierend klein.

...lesen Sie weiter im Whisky-Botschafter Heft 2006/2 Frühjahr (zum Abo-Service)

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