Braucht wirklich jeder Whisk(e)y auch das Wasser?
Barkeeper wissen, was ein dash ist: ein Spritzer, zum Beispiel vom Angostura Bitter zu Canadian Whisky und Vermouth Dry, damit diese Paarung zu einem Cocktail namens ›Manhattan Dry‹ wird. Whiskyfreunde wissen, was ein dram ist: eine »Portion« uisgebeatha. Es ist fast schon Usus, dem dram einen dash Wasser zuzusetzen. Über die Nützlichkeit dieser Verlängerung gehen jedoch die Meinungen auseinander. Wägen wir das Für und Wider gegeneinander ab:

Schon seltsam – nicht wenige der Puristen, die sich in den roten Drehzahlbereich hineinärgern, wenn ein Malt mit Zuckercouleur optisch standardisiert wird, gießen in eben diesen Whisky umgehend Wasser. Die »korrigierte Farbe« beraube den Whisky seiner Ursprünglichkeit, sagen sie. Die Frage sei erlaubt: Was tut das Wasser?
Whisk(e)y ist fertig, wenn er nach der Reifezeit aus dem Faß genommen und, in aller Regel, mit gleichartigen Bränden aus anderen Fässern oder ergänzenden Destillaten (die blends) zur Marke verschnitten wird. Mälzer, Brauer und Brenner haben ihr Teil dazu beigetragen, daß aus Getreide ein Genußmittel wurde, den größeren Rest hat die Natur besorgt. Ein solcherart naturbelassener Whisk(e)y enthält wachsähnliche Fettstoffe, Rußpartikel, die noch vom Ausbrennen der Fässer stammen, und andere Ablagerungen aus dem Holz der Reifefässer. In dieser Phase hat der Whisk(e)y auch noch bis zu 1.300 nachweisbare Kongenere in sich, chemische Komponenten, die bei der Gärung, der Destillation und der Faßlagerung entstehen: Aldehyde, Ester, Phenole und Säuren beispielsweise. All diese Stoffe und die Ablagerungen aus den Fässern prägen den Duft und Geschmack eines Whisk(e)ys wesentlich.
Noch hat dieser Whisky oder auch Whiskey die Stärke, die er bei seiner Alterung im Faß erreicht hat, mehr als 50, in Einzelfällen auch über 60 Volumenprozent Alkoholgehalt. Für Otto Normaltrinker sind das jedoch Prozentwerte, die ihn um sein bißchen Leber fürchten lassen. Deshalb wird Whisk(e)y im allgemeinen auf sogenannte Trinkstärke verdünnt – üblicherweise 40 oder 43 Prozent. Alles, was nicht ›cask strength‹ heißt, wird also schon vom Abfüller »seiner Ursprünglichkeit beraubt«! Ein Whisk(e)y, dessen originaler Alkoholgehalt um zehn oder mehr Volumenprozent herabgesetzt wird, ist nicht mehr der, den Mensch und Natur zunächst geschaffen haben
...lesen Sie weiter im Whisky-Botschafter Heft 2006/3 Sommer (zum Abo-Service)
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