Vorwärts in dieVergangenheit

 

IRLAND GEWINNT ALS WHISKEYLAND WIEDER AN BEDEUTUNG

Man nehme die Filetstücke aus einer glorreichen Vergangenheit, bereite sie nebst weiteren in einigen Varianten zu und richte sie zeitgemäß an. Mit dem Rezept gelang es den Iren, an einstige Erfolge anzuknüpfen. Die traditionelle Sorte Pure Pot Still Whiskey wurde aus der Ecke geholt, die Palette der Marken deutlich vergrößert. Das Whiskeyland Irland geht kontinuierlich vorwärts und schöpft dabei aus der Vergangenheit. Etwas Geschichte und die Gegenwart:

ein dash ins dram

Achtzehn schottische, sechs kanadische, vier amerikanische, zwei japanische, ein spanischer und ein irischer … ein einziger Irish Whiskey auf der Liste der ›Top 100 Premium Spirit Brands Worldwide‹, das ist eine unbefriedigende Bilanz für ein Land, dessen Whiskeys einst gefragter waren als die Whiskys der Schotten. Bis in die Vereinigten Staaten von Amerika hatten die irischen Brennereien das »flüssige Gold« aus ihren pot stills geliefert. Und heute steht nur noch eine einzige Marke von der Grünen Insel zwischen 31 anderen Marken der Gattung Whisk(e)y auf der Weltrangliste der Hochprozenter.

Die dreifache Destillation habe den irischen Whiskey auf den Weg zum Erfolg gebracht, heißt es. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das triple distilling war keineswegs obligatorisch zwischen Cork im Süden und Bushmills im Norden der Insel.

Als Alfred Barnard in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts Irland bereiste, um alle 28 damals aktiven und legalen Brennereien zu besuchen, wurde in einigen davon nach wie vor nur zweifach destilliert. Barnards akribische Recherchen führen die vielfach kolportierte Behauptung, irischer Whiskey müsse dreifach destilliert sein, ebenso ad absurdum wie die Tatsache, dass die 1989 in Betrieb genommene Cooley Distillery sich mit zwei Destillationen begnügt. Irlands Whiskey, vor allem der aus Dublin, war leichter (was nichts mit dem Alkoholgehalt zu tun hat) als schottischer. Das wurde zweifellos auch mit der zunehmend praktizierten Dreifach-Destillation erreicht, aber die pot stills, die in Irland weit größer waren als in Schottland, trugen ebenfalls dazu bei, Whiskeys mit leichterem Körper zu schaffen. Diese »Leichtigkeit« war ein Grund dafür, dass der Irish auch außerhalb seiner Heimat geschätzt wurde.

Der andere war die nicht gemälzte Gerste, die irische Brenner nebst der gemälzten einmaischten, seit ihnen die englischen Besatzer eine Malzsteuer auferlegt hatten. Aus solchen gemischten Maischen entstand ein fruchtiger Whiskey mit vergleichsweise leichtem Körper, der sich von allen anderen Whisk(e)ys deutlich abhob. Der aus Malz und Rohgerste erzeugte, in der pot still destillierte Irish Pure Pot Still war ein Original, das der Gattung Irish Whiskey zu ihrem Weltruhm verhalf und nicht wenigen Brennern zu Reichtum.

Bushmills 16 yo Three Wood, 40%
Importeur:
D: Underberg, Rheinberg
CH: Dettling & Marmot, Wollerau

Gleich drei Fasstypen hinterlassen in diesem Whiskey aus der nordirischen Destillerie Bushmills ihren Eindruck. Mindestens 15 Jahre reift der eine Teil des dreifach gebrannten Destillates in ehemaligen Bourbon-Fässern, ein anderer Teil unabhängig davon in Fässern, die zuvor Sherry des Typs Oloroso enthielten. »Verheiratet« werden die zwei in unterschiedlichem Holz gereiften Destillate in Portweinfässern, die dem Ganzen nicht nur die wunderschön rötlich schimmernde Farbe, sondern auch eine besonders weintönige Nase verleihen. Doch zum Glück lässt der Portwein auch die anderen Aromen hervorkommen: Vanille von den Bourbon-Fässern, Trockenobst, Rosinen und Dörrfrucht von Seiten der Sherry-Fässer. Im Nachklang dieses Rare Single Irish Malt Whiskeys kommt nochmal der doch ganz erhebliche Einfluss des Portweins deutlich zum Vorschein: trocken und zugleich süß, exzellent mit dem Eindruck von Bitterschokolade kombiniert.
ein dash ins dram



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