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Rückblick auf den 1. Kurs an der ›Whisky School‹ von The Glenlivet
Probieren gehört zum Studieren
Zwei Wege führen zum Scotch Single Malt Whisky. Der erste ist der Alleingang über die Lektüre von möglichst viel an Fachliteratur mit Abstechern zu Solo-Tastings und gelegentlichen Dialogen mit zufällig getroffenen Kundigen. Im Urlaub besuchte Destillerien verschaffen dem solcherart Lernenden zumindest einige Einblicke in das Werden eines Malt Whiskys.
Der zweite Weg ist das Studium in einer Gruppe Gleichgesinnter; ein Vollzeitstudium sozusagen, denn für dessen Dauer bleibt der Alltag im Abseits. Eine Brennerei ist die Uni, die »Professoren« sind echte Spezialisten für alles, was direkt oder indirekt mit dem »Wasser des Lebens« zu tun hat, und die graue Theorie wird aufgelockert durch so spannende wie genüßliche Praxis.
Diesen zweiten Weg ging eine gut gemischte, 30köpfige Gruppe aus Fachhändlern und Barkeepern, aus Whiskywißbegierigen weiblichen und männlichen Geschlechts. Das waren die, die noch einen Platz im ersten Kurs des Projektes ›The Glenlivet Whisky School‹, einer Kooperation von The Glenlivet und dem Magazin ›Der Whisky-Botschafter‹, ergattert hatten. Von einer Distillery Tour herkömmlicher Art unterschied sich dieser Kurs wie die Paté de foie gras von der banalen Leberwurst: Der Gruppe aus Deutschland stand die Quelle des Single Malts, »that started it all« weiter offen als jedem anderen Besucher. Die »Studenten« durften überall Einblicke nehmen und wurden auch aktiv in die verschiedenen Produktionsabschnitte eingebunden – learning by doing.

Der ungewöhnliche praktische Teil wurde ergänzt durch einen adäquaten theoretischen. Die Liste der Referenten las sich wie ein ›Who’s Who in Scotland’s Whisky Industry‹: Der als Koryphäe auf dem Gebiet der Getreideforschung weltbekannte Professor Geoff Palmer sprach über Getreide im allgemeinen und über das Mälzen im besonderen. Chivas Brothers’ Group Distillery Manager Alan Winchester erläuterte die Themen Gärung und Destillation. Der Gründer der Scotch Malt Whisky Society, Dr. Phillip Hills, war nicht nur für Maturation, sondern auch für Nosing & Tasting der optimale Referent. Der Whiskybücherautor Charles MacLean erzählte die Geschichte des schottischen Whiskys, der Archivar Iain Russel speziell The Story of the Glenlivet. Master Distiller Jim Cryle von Glenlivet war stets erreichbar und auskunftsfreudig, der Glenlivet-Crown-Estate-Ranger Geoff Carlton führte die Gruppe auf dem ›Smugglers Walk‹ einen Weg entlang, den einstmals so manches nicht versteuerte Faß Whisky entlanggetragen wurde.
Ein Highlight war zweifellos das von Dr. Phillip Hills geleitete Vertical Tasting, das den Lernwilligen die Möglichkeit bot, vom new make bis zum 33jährigen Glenlivet die Entwicklung dieses Malt Whiskys in allen relevanten Phasen kennenzulernen. Als eine Art Praktikum konnte auch ein Besuch in der Speyside Cooperage verbucht werden.

Purer Paukstreß waren diese vier Tage trotzdem nicht. Schon deshalb nicht, weil die Gruppe im Mansfield Hotel untergebracht war, das alles andere ist als ein Studentenwohnheim. Genuß und Gelächter waren schließlich garantiert, als die deutschen »Studenten« für das Scottish Gala Dinner mittels Kilt & Co. in Schotten umgewandelt wurden …
Und last but not least war am Tag der Rückreise noch genug Zeit für Shopping in Elgin und für den weltberühmten Laden von Gordon & MacPhail in diesem Städtchen. Daß sie ordentlich was gelernt haben, können die jetzt Whiskywissenden nachweisen: Jeder hat ein Zertifikat, das ihm repektive ihr bescheinigt, ein Whisky-Experte zu sein.
Einen angenehmeren und zugleich kürzeren Weg zu diesem Ziel wird so schnell niemand finden.
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