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Das Parfum der Vergangenheit

Die Kundigen werden über diese Frage lachen und sie als naiv abtun. Aber es ist nicht jeder ein Wissender in Sachen »Wasser des Lebens«. Und wer sich bis dato noch nicht näher mit dieser Materie befasst hat, darf sich auch darüber wundern, dass in einem alkoholischen Getränk etwas enthalten sein soll, das er unter die Komposterde seiner Blumenbeete harkt. Ein bisschen Aufklärung:
Rauch steigt auf, durchzieht das auf perforiertem Boden ausgebreitete, schon etwas angetrocknete Malz. Oder auch das Malz, das beim drum malting in einer rotierenden Trommel in einem Arbeitsgang zum Keimen gebracht und getrocknet wird. Im ersten Fall kommt der Rauch von einem Feuer unter der kiln, dem Trockenofen, im zweiten von einem Feuer unter der riesigen Malztrommel. Den Rauch erzeugt der Torf, mit dem das Feuer ganz gezielt geschürt wurde. Weltweit gibt es etwa 260 Millionen Hektar Torfboden, auf Europa entfallen davon knappe 90 Millionen. Von der Gesamtfläche Schottlands sind mehr als zehn Prozent mit Torfmooren bedeckt. Auch Irland kann reichlich Torf stechen ? aber dort hat dieses Naturprodukt als »Zutat« im Whiskey ausgedient. Allein Cooley »torft« noch, und auch dort wird nur das Malz für den Connemara auf diese Weise »geräuchert«. Beim schottischen Whisky hingegen galt und gilt das Torfraucharoma als ein Merkmal, zwar nicht mehr in dem Maße wie früher, aber immerhin. Torf bildet sich vor allem im Moor. Moose, Heidekräuter und andere Pflanzen verrotten im Untergrund von Hoch- und Niedermooren. Das dauert. Wissenschaftler nennen als Durchschnittswert einen Millimeter Torfablagerung pro Jahr. So brauchte zum Beispiel das norddeutsche Teufelsmoor achttausend Jahre, um das zu werden, was es ist. Und in Schottland gibt es Torfmoore, die zehntausend Jahre alt sind. Rauch von einem Torffeuer ist also in der Tat »Parfum der Vergangenheit«.