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Flanieren in der Vergangenheit

Nicht wenige der weitgereiste Zeitgenossen zählen Edinburgh neben Prag, Wien und Budapest zu den schönsten Städten der Welt. Das ?Athen des Nordens? wartet mit einer Vielzahl historischer Bauten auf und mit einem überreichen kulturellen Angebot. Bernhard Schäfer hat die sehenswerte Stadt durchstreift.
Es gibt zwar in Edinburg keine Whisky-Destillerie mehr, die Geschichte der Stadt ist aber stark mit Schottlands schmackhaftestem Exportprodukt verbunden. In Schottlands Hauptstadt nahm 1822 auch die bis heute anhaltende Begeisterung für die Kiltträger ihren Anfang. Es war der erste Besuch eines britischen Monarchen seit den Zeiten des Jakobiner-Aufstands unter Bonnie Prince Charlie, der die Wende einleitete. Nach der Schlacht von Culloden anno 1746 war alles Schottische untersagt, waren die Sprache, die Tracht und die Musik geächtet, war der Whisky geduldet bis verboten. Der Besuch von King Georg IV., der seine nördlichen Untertanen in dem Palast Holyroodhouse in einem Phantasie-Kilt empfing, den er sich von seinem Londoner Schneider eigens dafür hatte anfertigen lassen, brachte die Wende: Nun war alles Schottische wieder ?in?, der Dudelsack wurde erneut geblasen, der Kilt war offizielles Kleidungsstück. Hinzu kam die Literatur von Sir Walter Scott, die manches englische Fräulein in ihren Bann zog. Das Pikante an jenem Besuch des Königs: Er verlangte nach Whisky, und zwar nach Schwarzgebranntem! Die Majestät gelüstete es nach dem Glenlivet von George Smith, jenem Brenner, der seine Brennerei erst ein Jahr nach dieser Royal Visit offiziell lizenzieren ließ. In der Folge brach ein regelrechtes Schottlandfieber aus, das darin gipfelte, dass Königin Victoria nicht nur Schloss Balmoral kaufte, sondern dass seither die britischen Monarchen ihre Sommerferien stets in Schottland verbringen. Wer Edinburgh bei einer Stippvisite kennenlernen möchte, begibt sich am besten Richtung Burg, zu dem Wahrzeichen dieser Stadt, und von dort aus die Royal Mile hinunter in Richtung Holyroodhouse, der königlichen Residenz gegenüber dem schottischen Parlament. Auch als Whiskyliebhaber kommt man bei dieser Tour garantiert auf seine Kosten, denn man passiert dabei einige schöne Pubs ? und natürlich Royal Mile Whiskies, ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Fachgeschäft.