Harald Wohlfahrt gilt seit 15 Jahren in den Medien als bester deutscher Koch. Er ist 28 Jahre Küchenchef der ?Schwarzwaldstube? im Hotel ?Traube Tonbach?, hat seit 1985 die Höchstnote im Gault Millau und seit 1993 drei Sterne im Michelin. Manfred Kohnke war im Oktober bei ?Orkney Food & Whisky? selbst mit dabei und gibt hier einen Einblick in die ganz besonderen Kreationen des Menüs.

Deutschlands besten Koch um ein Whisky-Menü zu bitten, gleicht der Frage an einen aufrechten Schotten, welchen Malt er am liebsten trinkt. Da würde beispielsweise der Earl of Elgin and Kincardine antworten: ?Sehen Sie, es ist jetzt elf Uhr. Draußen regnet es, was mich deprimiert. Heute Mittag werden wir Fisch essen, und nachmittags habe ich eine Sitzung in meinem Curling-Club ? das alles will bedacht sein, ehe ich entscheide, welchen Malt ich vor und welchen ich nach dem Essen trinke. Und abends ist wieder alles anders ? wie soll ich Ihnen da eine vernünftige Antwort geben??.
Wer diese Antwort für ausweichend oder diplomatisch hält, weil Seine Lordschaft ein ?Keeper of the Quaich? und sogar im Vorstand dieser hochkarätigsten Whisky-Society Schottlands und der Welt ist, missversteht Pure Single Malt als bloßes Getränk des gehobenen Lifestyle. Für einen Schotten hingegen, ob Torfstecher oder Schlossherr, fließt es als Kulturgut in die Lebensart ein.
Und ebenso empfindet ein Koch wie Harald Wohlfahrt die Große Küche als Kulturgut und seine Menüs als Ausdruck von Kochkunst und nicht als beliebige Auftragsarbeit. Doch so wenig Schotten selbst beim besten Whisky geizen, so freudig geht ein ehrgeiziger Wohlfahrt auf Sonderwünsche von Gästen ein. Selbst dann, wenn er um etwas gebeten wird, was ihm so fremd ist wie ein Whisky-Menü. Denn Wohlfahrt trinkt nur höchst mäßig Wein und Champagner, aber grundsätzlich keine Spirituosen, nicht mal Malt.
Bei der Idee, die Whiskys der beiden nördlichsten Destillen der Welt mal mit den ländlichen und maritimen Produkten ihrer Orkney-Insel zu alliieren, fühlt sich Wohlfahrt nicht für einen Gag gebeten, sondern kreativ herausgefordert. Denn einen Koch, der sich das Beste aus der nahen und fernen Natur in seine Küche holt, kann edler Whisky als Naturprodukt nicht schrecken. Er nähert sich ihm nur nicht per ?learning by drinking?, sondern als Analytiker der aufsteigenden Aromen.