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Über Grün zum Gold

EINE REISE VOM SÜDEN IRLANDS BIS IN DEN NORDEN DIESER INSEL führt durch zauberhafte Landschaften zu zahllosen Sehenswürdigkeiten. Auf der Tour über die ?Grüne Insel? kann der Besucher außerdem vier Orte ansteuern, in denen das ?flüssige Gold? hergestellt wird. KARL RUDOLF erzählt uns zwischen den Brennerei- und Museums­besuchen auch über Irlands Whiskeygeschichte.
Glück gehabt: Der Engel auf der St. Finbarre Cathedral glänzt noch im schönsten Gold. Wenn er grün anlaufe, nahe das Ende der Welt, behaupten die Corkonians. Es scheint, als sei der Aberglaube ansteckend, erst recht in ei­ner Stadt, in der es von „Philosophen“ wimmelt. Im restlichen Land, speziell in Dublin, gelten die Bewohner von Cork, der zweitgrößten Stadt in der Republik Irland, zwar pauschal als skurril, aber ihr Spruch „Es gibt keine Fremden hier, nur Freunde, die man noch nicht kennen gelernt hat“ kann durchaus als Einladung verstanden werden. Die „Rebel City“ am Fluss Lee ist zu jeder Zeit einen Besuch wert, nicht nur im Oktober zu dem welt­berühmten, jährlichen Cork Jazz Festival.

Als Ausgangspunkt einer Tour zu den Stätten des Irish Whiskeys bietet sich Cork auch an, schließlich war die Stadt einmal ein Zentrum des „uiscebaugh“: Daly’s of John Street, Hewitts Watercourse Distillery, North Mall und The Green – vier von einst vielen – schlossen sich 1867 mit der nahe Cork gelegenen Midleton Distillery zur Cork Distilleries Company zusammen.

Der Engel glänzt golden, der Reise steht nichts mehr im Wege. Midleton liegt kaum zwanzig Kilometer von Cork entfernt. In diesem Städtchen, das heute knapp 4.000 Einwohner zählt, nahm die neuere Geschichte des Irish Whiskey ihren Anfang. Die drei Brüder Murphy hatten hier 1825 eine ehemalige Wollmanufaktur und spätere Kaserne zur Brennerei umgebaut. Die wurde eineinhalb Jahrhunderte später stillgelegt: Die Irish Distillers Group nahm 1975 den Betrieb in ihrer neuen Zentralbrennerei auf, die sie direkt hinter „Old Midleton“ gebaut hatte. Die ursprüngliche Brennerei heißt heute Jameson Heritage Centre und ist ein Museum. Neugier auf die Geschichte des irischen Whiskeys wird hier befriedigt: Dokumente, Fotos und Grafiken, eine Vielzahl von Exponaten, eine Audio-Video-Show und natürlich ein langer Rundgang bringen den Besucher in die Vergangenheit – und auch wieder zurück in die Gegenwart. Er bestaunt in diesem Heritage Centre die größte pot still, die weltweit jemals in Betrieb war und mehr als 30.000 Gallonen fasst, und ein gewaltiges Wasserrad, das einst den Betrieb hier in Gang hielt. Das alles und mehr sieht der Interessierte in der alten Midleton-Brennerei – aber er hat als normaler Besucher nicht die Möglichkeit, in der nun auch schon 33 Jahre alten „neuen“ Brennerei zu beobachten, wie in einer einzigen Anlage eine ganze Reihe traditioneller irischer Whiskeymarken entsteht.