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Ein Château in Schottland

Wenn die Speyside als ?Grand Cru? unter den schottischen Malzwhisky-Regionen bezeichnet wird, kann es auch keine Übertreibung sein, The Macallan Distillery ein ?Château? zu nennen. Was die als ?Châteaux?, zu deutsch: ?Schlösser?, berühmten Weingüter wie Petrús oder Rothschild für die Spitzenregion Bordeaux sind, ist die 1824 als Elchie gegründete Brennerei für die wohl bekannteste Malt-Region Schottlands. Karl Rudolf war vor Ort.
Zweifellos haben sich manche Fans losgesagt von ihrem Favoriten vor fünf Jahren, als The Macallan vom bisherigen Sherry-Pfad umgeleitet wurde auf einen Weg namens „Fine Oak“. Die Warnung stand und steht schließlich unverrückbar im Raum: „Never change a winning team!“ Und waren nicht diese vom Oloroso-Sherry geprägten Macallans schon weit gekommen auf der Straße zum Erfolg? „Rolls Royce unter den Malts“ haben sie diesen Whisky genannt. Den Vorschmeckern war er im Schnitt mehr Punkte wert als jeder andere der schottischen Single Malts. Juroren in aller Welt setzten fast regelmäßig eine der Macallan-Abfüllungen auf ihre Listen der Besten. Und keiner vergaß, den Sherry-Ton als charakteristisch für diese Malts zu loben. Macallan, The Macallan, stand auf dem 5. Platz der Liste mit den weltweit meistverkauften Scotch Single Malts.

Die Brennerei, die – gegenüber von Craigellachie und oberhalb der häufig fotografierten Telford Bridge – auf einer Anhöhe über dem River Spey steht, war bekannt dafür, dass sie alles tat, um stets genügend gebrauchte Fässer aus Andalusien in ihren warehouses zu haben. Nicht irgendwelche Weinfässer aus Spaniens Süden, sondern solche, die zuvor Sherry enthielten. Nicht jeder Sherry war den Zuständigen in Easter Elchie House als „Vorwürzer“ genehm, es musste definitiv Oloroso sein. Als die Fässer knapp zu werden drohten, ließ Macallan in Jerez eigens Fässer anfertigen, „verlieh“ sie an das renommierte Sherry-Haus Gonzalez Byass und nahm sie, nach Vorgabe gebraucht, in ihre Reifelager.

Gegen das dominante „Parfum“ eines Oloroso Sherrys kommt nicht jeder Malzwhisky an. Fachleute sind sich darüber einig, dass ein vatting
von Malts aus Oloroso-Holz mit Malt aus Oloroso-Holz eine extrem schwierige Aufgabe ist. Kritiker der (klassischen) Marke Macallan empfanden dessen Sherrynoten als zu aufdringlich, die Anhänger der Marke empfanden das Miteinander von Malz und Sherry als perfekt ausgewogen. Unbestritten war und ist, dass sich kein schottisches Destillat so gut für eine Reifung in Oloroso-Sherry-Fässern eignet wie das aus den Brennblasen von Macallan.

Vor fünf Jahren ließen die whisky­makers von Easter Elchie die Katze aus dem Sack. Was einige vermutet hatten und viele nicht für möglich gehalten hätten, war wahr: Macallan hatte ganz erhebliche Bestände auch in American oak reifen lassen – in gebrauchten Bourbon-Fässern, die in Schottlands Reifelagern schon lange die stattliche Mehrheit an Holz stellen. Und mit in solcherlei Fässern gereiften Destillaten wurden ab 2004 jene aus den „klassischen“ Oloroso-Fässern zum Macallan „der neuen Art“ vermählt, zum Macallan Fine Oak.