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Wege zum Glück

Schnulzengucker, lasst alle Hoffnung fahren! Hier geht es nicht um eine Soap-Serie im Fernsehen, sondern um Straßen und Sträßchen, die in der Region Speyside zu den Quellen weltberühmter und hochgeschätzter Single Malt Whiskys führen. Karl Rudolf hat einige aufgesucht.
Mal einen ganzen Tag mit Angeln zubringen? Die Kathedrale von Elgin in aller Ruhe besichtigen? Stundenlang durch die Gärten von Glen Grant spazieren? „Forget it“, sagt Phil, der mich am Airport in Aberdeen abholt, „dein Thema ist ja die Whisky-Region Speyside und damit bist du – damit sind wir! – die näch­sten Tage vollauf beschäftigt.“ Nun ja, die Malt-Region, durch die mich der Highlander Phil führen wird, bringt’s immerhin auf knapp ein halbes Hundert derzeit aktiver Malt Distilleries, je nachdem, wer die Grenzen zieht. Bei Michael Jackson sind 52 Brennereien unter „Speyside“ aufgelistet, bei Charles McLean nur 45. Und das „Malt Whisky Yearbook 2009“ schlägt 48 Destillerien dieser Region zu, die als „Grand Cru“ Schottlands gilt.

Während wir auf der A 96 Richtung Keith fahren, nein: gefahren werden, schenkt Phil „zur Einstimmung“ zwei Strathisla ein, zweimal zwei Finger hoch. Die Speyside, doziert er dann, sei als Region ja nicht offiziell definiert, also auch nicht präzise eingegrenzt. Deswegen könne ihr im Prinzip auch jeder die Brennereien zuordnen, die er für richtig hält. „Nimm zum Beispiel Glendronach. Die zählt Ingvar Ronde im „Malt Whisky Yearbook“ ebenso zur Speyside wie Michael Jackson das tat. Für Charles McLean aber liegt diese Brennerei in den Eastern High­lands. Für mich übrigens auch.“ Da pflichte ich ihm bei: In meinem Archiv ist Glendronach ebenfalls unter „EH“ gespeichert. „Oder Dalwhinnie“, fährt Phil fort, „die liegt laut Ronde und Jackson in der Speyside, aber McLean sieht sie in den Central Highlands!“ Kurzes Blättern in meiner vorsichtshalber ausgedruckten und mitgeführten Destillerien-Übersicht, schnelles Nachzählen: Wenn ich die drei Whisky Writers zum Maßstab nehme, liegen 45 aktive Destillerien unstrittig in der Speyside, dazu kom­men – ebenfalls unstrittig – sechs vorläufig oder auch für immer geschlossene Betriebe.

Strathisla ist erreicht. Diese Brennerei, fast im Zentrum des Städtchens Keith gelegen, war die erste offiziell re­gistrierte in der heutigen Speyside und eine der ers­ten in Schottland überhaupt. Sie ist ein Schmuckstück und eine von – nach meinen Unterlagen – nur 17 Speyside Distilleries mit einem Besucherzentrum, das
diese Be­zeichnung verdient. Wir haben hier quasi „freie Bahn“, sehen uns um, plaudern etwas mit Brauern, Brennern und Warehousemen und beobachten, wie aus Malz von Paul’s in Buckie der Malt wird, der die Chivas-Blends maßgeblich prägt. „Schade“, brummelt Phil bei einem dram 12-jährigen Strathisla, „dass so viel von diesem Stoff in Blends fließt.“ In der Tat: Dieser mittelschwere Single Malt, der die Nase mit zitrustönigem Blumenduft verwöhnt, in dem sich Heu- und Malznoten finden, der den Gaumen wärmt und ihm Obstkuchen vorgaukelt – dieser Strathisla ist auch als Solist Spitze.