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Land der strittigen Grenzen

Schon Eastern Highlands oder noch Speyside? Noch Zentrales oder schon Östliches Hochland? In dieser Frage sind sich nicht einmal die wichtigsten Whisky Writers einig. ?Lieber eine Brennerei zuviel als eine zu wenig besucht?, meinte unser Autor Karl Rudolf, der durch die Eastern Highlands reiste.

Phil empfängt mich am Airport in Aberdeen mit einem Grinsen, das seine Mundwinkel mit den Ohrläppchen poussieren lässt: „Mit der schottischen Geografie hast du wohl einige Probleme?“

Der Weggefährte mehrerer Touren durch Schottland (zuletzt haben wir gemeinsam die Speyside durchstreift), der orts- und whiskykundige Highlander, der geduldige Guide – Phil also entnimmt seiner Brieftasche die E-Mail, mit der ich ihn meine Ziele für diese Tour durch die Eastern Highlands wissen ließ. „Hier, bitte“, mäkelt er unter bedächtigem Schütteln des schottischen Sturschädels, „willst du etwa behaupten, Pitlochry liege im Osten des Hochlandes? Eben dort, in Pitlochry, liegen zwei der distilleries, die du auf deiner Liste stehen hast. Und eine weitere liegt sogar noch um einige Meilen südwestlich von Pitlochry. Südwestlich!!

Zwecklos, diesem Abkömmling von Schwarzbrennern und Schmugglern umgehend zu widersprechen, wenn er seine festgefasste Meinung kundtut … 

Einige Meilen weiter, in Oldmeldrum, und zwei drams später ziehen wir im Visitor Centre von Glen Garioch eine Karte der Highlands zu Rate. Wir ziehen eine Linie zwischen den beiden jeweils am äußersten Rand des Hochlands gelegenen aktiven(!) Brennereien, also – waagerecht! – etwas nördlich von Oban im Westen bis Stonehaven im Osten. Exakt in der Mitte dieser Linie wird eine senkrechte gezogen:

„Mein lieber Phil, die von dir monierten Brennereien liegen rechts unserer senkrechten Linie – also im Osten des Hochlandes!“ Die Replik kommt wie aus einer Pistole geschossen: „Und wie gefällt es dir eigentlich in Eastern Germany – dort in dem Dorf bei München, wo du lebst?“ Darauf nehmen wir noch einen, wiederum den „alterslosen“ Glen Garioch 1779 Founder’s Reserve. Unsere Nasen entdecken Butterscotch und Malz, Zitrusfrüchte und Eichenholz, unsere Gaumen registrieren eine dezente Öligkeit, Honig, Gewürze – vor allem Vanille – und zum guten Schluss noch schönste Fruchtigkeit.