Ein Nachruf auf Jürgen Stein

Jürgen Stein †

Jürgen Stein (12.08.1936-27.02.2020)
Jürgen Stein (12.08.1936-27.02.2020)

Die Spirituosenbranche trauert um eine ihrer erfolgreichsten Größen: Am 27. Februar 2020 verstarb Jürgen Stein im 84. Lebensjahr. Er war eine wirkliche Berühmtheit, nicht nur als „Mister Jacobi“, sondern auch als der Mann, der Marken wie Fernet Branca, Absolut Vodka, Champagne Laurent-Perrier, Ballantine´s und manch andere mehr in Deutschland etablierte und schnell zu Bestsellern machte. Sein Beruf war ihm Berufung.

 

Der 1936 in Stuttgart geborene Jürgen Stein war 17 Jahre alt, als Vater Carl mit Partner Heinz Bömers 1953 die Markenrechte an dem Weinbrand Jacobi 1880 übernahm. Zwei Jahre danach ließ sich Jürgen Stein bei dem Bremer Weinimporteur Reidemeister & Ulrichs zum Kaufmann ausbilden. Nicht genug damit: Dieser Lehre folgte ein Abschluss am Institut für das Gärungsgewerbe in Berlin zum Grad. Destillateur und schließlich auch noch eine Ausbildung im Bankwesen. Damit war Jürgen Stein bestens gerüstet für seine künftige Laufbahn im Spirituosen- und Importgeschäft.

 

Bedingt durch den frühen Tod von Vater Carl trat er Ende 1960 in die Privat-Weinbrennerei Jacobi KG in Weinstadt ein, wo er zunächst für Vertrieb und Marketing zuständig war. Doch bereits 1964 wurde ihm als Geschäftsführendem Gesellschafter die Gesamtverantwortung übertragen. In den folgenden Jahrzehnten reihte er auch als Importeur renommierter Marken Erfolg an Erfolg. Der von der Privat-Weinbrennerei Jacobi in Lizenz hergestellte Fernet Branca wurde mit einer Steigerung von 15.000 Kisten im Jahr 1964 auf 550.000 im Jahr 1993 die Nummer 1 im Bitter-Segment. Unter seiner Ägide wurde zudem die einstige Regionalmarke Jacobi 1880 schon 1979 die Nummer 2 im Segment der Alten Weinbrände: Der Absatz war von 1964 bis 1993 um 420.000 auf eine halbe Million cases (= 4,5 Mio Liter) gestiegen. Erfolgreich war Jacobi auch beim Import von Whisky – vor allem von Ballantine´s, der unter Jürgen Stein der deutsche Gesamtmarktführer im Whiskysegment wurde. So war es nur konsequent, dass ihn die Keepers oft the Quaich im Oktober 1995 zum Mitglied machten und deren deutsches Chapter ihn 1999 zu seinem Präsidenten wählte. Dieses Amt übte Jürgen Stein bis 2003 mit Freude und Engagement aus.

 

Anfang 1994 hatte Allied Domecq PLC die Mehrheit an der Privat-Weinbrennerei Jacobi erworben. Die Brüder Bömers traten ihre Anteile ab, die zwei Brüder Dr. Claus und Jürgen Stein blieben Minderheitsgesellschafter – und Jürgen weiterhin Geschäftsführender Gesellschafter. Als Allied Domecq 1998 die Marke Fürst Bismarck komplett übernommen hatte, verabschiedete sich Jürgen Stein im Jahr 2000. Von Ruhestand war jedoch noch keine Rede: Er war weiterhin beratend tätig, hauptsächlich als Minderheitsgesellschafter in der Sektkellerei Kessler, Deutschlands ältestem Betrieb dieser Art. Doch in erster Linie war er nun Familienmensch, kümmerte sich um seine fünf Kinder und Enkelkinder. Eine große Hilfe war er außerdem zweifellos für seinen Sohn Alexander Stein, der mit seinem Gin Monkey 47 schließlich doch auf seine Art höchst erfolgreich in Vaters Gewerbe eingestiegen war.

 

Ein erfülltes und erfolgreiches Leben ist zu Ende – eine Lücke bleibt. Jürgen Stein wird der Branche und den Genießern unvergessen bleiben.

 

Karl Rudolf

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