InterWhisky 2025

Königliche Genüsse

Whisky ist ein Allrounder. Er ist in den schlichtesten Mietwohnungen ebenso zu Hause wie in den mondänen Villen. Aber am besten vermag er sein allumfassendes Potenzial zu entfalten, wenn er Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Beruf und ihrem sozialen Status zusammenbringt und zusammen genießen lässt – wie unlängst wieder im Wiesbadener Kurhaus, von wo Wolfgang F. Rothe berichtet.
 

Bekanntlich geht die älteste urkundliche Erwähnung schottischen Whiskys auf einen Mönch zurück: einen gewissen Bruder John Cor, der angeblich der Benediktinerabtei Lindores in der schottischen Region Fife angehörte und im Jahr 1494 ungefähr 500 Kilogramm Gerstenmalz erwarb, um daraus „Wasser des Lebens“ herzustellen. In der entsprechenden Aufzeichnung in den Unterlagen der königlichen Steuerbehörde ist aber nicht nur von einem Mönch die Rede, sondern auch vom König. Im lateinischen Original des Dokuments heißt es ausdrücklich, dass Bruder John Cor sein Gerstenmalz „de mandato domini regis“ erwarb – zu Deutsch: „im Auftrag des Herrn Königs“. Es war also nicht nur ein Mönch im Spiel, sondern auch ein Monarch, näherhin König James IV. von Schottland. Beides zusammen macht Whisky sowohl zu einem geistlichen als auch zu einem königlichen Genuss, wenngleich wir nicht wissen, ob der König das fertige Destillat tatsächlich getrunken und genossen hat.

 

Nobles Ambiente

Wie dem auch sei – königlich getrunken und genossen wurde jedenfalls gut 500 Jahre später in Wiesbaden, nämlich bei der InterWhisky 2025. Erneut und zum mittlerweile zweiten Mal traf sich die Crème de la Crème der deutschen und internationalen Whisky-Community im Kurhaus von Wiesbaden – einem Ambiente, das nobler oder, um im Bild zu bleiben, königlicher kaum sein könnte. Schließlich gehört das Wiesbadener Kurhaus zweifellos zu den prachtvollsten Kurhäusern weltweit. Niemand Geringerer als der letzte König von Preußen und Deutsche Kaiser Wilhelm II. bezeichnete das Wiesbadener Kurhaus sogar einmal als „das schönste Kurhaus der Welt“. Er selbst war es auch, der das nach Plänen des Architekten Friedrich von Thiersch im Stil des Neoklassizismus erbaute und teils im Jugendstil ausgestattete Gebäudeensemble im Jahr 1907 eröffnete und fortan jedes Jahr im Mai besuchte. Offenbar fühlte sich der anspruchsvolle und verwöhnte Monarch hier wohl.

 

Wie ein Heimkommen

Wohl fühlten sich hier in jedem Fall die Besucherinnen und Besucher der 26. InterWhisky. Lena und Philipp aus Königstein im Taunus hatten sich beispielsweise schon seit Wochen auf die Messe gefreut, wie sie begeistert berichteten; für sie fühlte es sich fast so an wie ein Heimkommen – so gut hatte es ihnen im Vorjahr gefallen; sie seien gleich an zwei Tagen dagewesen. „Man könnte ja fast meinen“, erklärt Lena, „dass das Wiesbadener Kurhaus extra für die Whisky-Messe gebaut worden wäre.“ Auch der Veranstalter, Christian H. Rosenberg, zeigte sich voll und ganz zufrieden. Hier in Wiesbaden gäbe es alles, was man für eine Veranstaltung wie die InterWhisky bräuchte: genügend Platz, eine funktionierende Infrastruktur und nicht zuletzt ein stilvolles Ambiente. Denn die InterWhisky sei eine Veranstaltung, bei der Tradition und Innovation zu einem Ganzen zusammengeführt würden. Whisk(e)y sei nun mal ein Getränk mit langer Geschichte, aber für die Menschen von heute gemacht.

 

Tradition und Gegenwart

Beides, Tradition und Gegenwart, fanden auch in diesem Jahr wieder perfekt zusammen. Dazu trugen nicht nur die noblen Räumlichkeiten bei, sondern auch und vor allem die Menschen, die sie mit Leben füllten. Dazu zählten natürlich in erster Linie die mehr als 80 Ausstellerinnen und Aussteller. Während die meisten Unternehmen ihre neuesten Kreationen und Abfüllungen präsentierten, bot Whisk(e)y-Raritäten-Händler Lothar Langer Schätze aus ferner Vergangenheit zum Probieren und zum Kauf an. Die schottische und die irische Whiskybranche waren ebenso vertreten wie die internationale und nicht zuletzt auch die deutsche. Und mögen sie vordergründig betrachtet auch Konkurrenten sein, vermögen sie letztlich doch nur zusammen das zu repräsentieren, wofür Whisk(e)y nun einmal steht: für Internationalität und Vielfalt, für Zusammenhalt und Toleranz, für Tradition und Innovation. Dies alles unter einem Dach zu versammeln, ist nicht nur ein Event. Es ist ein besonderes Erlebnis.


Grandiose Master Classes

Ganz wesentlich mitbestimmt wurde dieses Erlebnis durch die in großer Zahl anwesende „Whisky Nobility“ aus Schottland, Irland und der ganzen Welt. Insbesondere die hochkarätig besetzten Master- und Grand-Master-Classes sorgten wieder für großes Interesse und nicht minder großen Andrang. Peter aus Frankfurt war schon ganz aufgeregt, als er auf den Beginn der Grand Master Class mit Whiskys aus der Aberfeldy Distillery wartete: „Da schmeckt der Whisky doch echt noch mal so gut!“ Angereist waren unter anderem Matthew Cordiner, Global Brand Ambassador von Bacardi, Martin Markvardsen, Senior Global Brand Ambassador für Highland Park und seit 2021 Master Keeper of the Quaich, Shilton Almeida, der die aufstrebende, in Israel beheimatete Destillerie Milk & Honey repräsentiert, der Distillery Manager der Bunnahabhain Distillery, Andrew Brown, sowie Gearóid O’Callaghan alias „The Whisky Jack“, der sein Publikum für die Whiskys der Bushmills Distillery begeisterte.

 

Hochkarätige „Whisky Nobility“

Umso mehr war die „Whisky Nobility“ aus Deutschland präsent: Timo Lambrecht stellte die Produkte der schweizerischen Säntis Destillerie vor, Andreas Künster lüftete so manches Geheimnis rund um die legendäre Macallan Distillery, Pierre Kruff verstand es als Whisky Brand Ambassador von Bacardi zu begeistern, Mark Armin Giesler machte einmal mehr seinem Ruf als „Mr Laphroaig“ alle Ehre und Keeper of the Quaich Thomas Plaue repräsentierte den unabhängigen Abfüller Morrison Distillers. Weit mehr als bei anderen Erzeugnissen wird die Bekanntheit und Beliebtheit von Whisk(e)y nicht durch omnipräsente Logos oder eingängige Werbesprüche bestimmt, sondern durch die Menschen, die sowohl mit Namen und Gesicht als auch mit Leidenschaft und Hingabe für ihre Unternehmen, Marken und Produkte einstehen. Zu Recht würde niemand auf die Idee kommen, diese Menschen nüchtern als „Vertreter“ zu bezeichnen; nein, sie sind Ambassadors, Botschafter, Repräsentanten.

 

Glanzvoller Auftakt

Wie seit jeher üblich, begann auch die InterWhisky 2025 wieder mit der Verleihung der „Whisky-Botschafter Awards 2026“, den renommiertesten Auszeichnungen innerhalb der deutschsprachigen Whisk(e)y-Szene für Destillerien, Bars, Händler und Botschafter. Die Verleihungszeremonie fand, anders als im Vorjahr, in der Galerie Rotunde der Kurhaus Kolonnade statt. Die einzelnen Preisträgerinnen und Preisträger werden im „Whisky-Botschafter“ noch gesondert vorgestellt und gewürdigt werden. Im Anschluss an die Zeremonie ging es dann weiter in den unmittelbar benachbarten Salon Rotunde zum legendären „Whisky Talk & Dinner“, das wie im Vorjahr ebenfalls schon am Donnerstag und nicht erst am Freitag stattfand. Die dadurch erfolgte Entzerrung des Messe-Auftakts hat sich rundum bewährt. Umso mehr konnten die Teilnehmenden das glanzvolle Ambiente, das exquisite Fünf-Gänge-Menü und die passend dazu servierten Whiskys genießen – ein geradezu royales Erlebnis.

 

Vielfältige Genusswelten

Aber auch sonst gab es viel zu feiern und zu genießen. Die Messestände waren an allen drei Messetagen dicht umlagert, wobei man vor allem am Samstag aufgrund des großen Andrangs manchmal kaum noch vorankam. Dies hatte aber weder Ungeduld noch Unzufriedenheit zur Folge – im Gegenteil. Tom aus der Nähe von Fulda brachte es auf den Punkt: „Das gibt’s echt nur hier, dass man so viele Gleichgesinnte auf einmal treffen kann. Und alle verstehen sich, alle halten zusammen – wow!“ Ein beliebter Anlaufpunkt war auch wieder, wie im Vorjahr, die neu gestaltete Raucherlounge, in der sich die Genießerinnen und Genießer edler Rauchwaren durch das ebenso breite wie attraktive Sortiment der Scandinavian Tobacco Group testen konnten. Außerdem konnte man sich hier auf die Suche nach der passenden, wenn nicht sogar idealen Kombination von Whisk(e)y und Tabak begeben, was ausgiebig in Anspruch genommen wurde und für viele interessante Gespräche sorgte.

 

Schätze zum Mitnehmen

Und dann war da ja noch die diesjährige Messe-Abfüllung: ein neun Jahre lang gereifter Whisky aus der kleinsten und exklusivsten schottischen Whisky-Region Campeltown, näherhin aus der Glen Scotia Distillery. Das Besondere an ihm: Er gehört zu den seltenen rauchigen Whiskys von dort. Die Besucherinnen und Besucher der InterWhisky zeigten sich durchweg begeistert von dieser Abfüllung, die hinter ihrem unaufdringlichen, aber merklichen Raucharoma eine elegante Fruchtigkeit entfaltet. Viele Besucherinnen und Besucher machten von der Gelegenheit Gebrauch, diesen flüssigen Schatz, den Herausgeber Christian H. Rosenberg zusammen mit Chefredakteur Bernhard Schäfer in den Lagerhäusern von Glen Scotia entdeckt und von dort geborgen hat, zu erwerben und mit nach Hause zu nehmen. Aber auch so mancher Aussteller hatte seine Schatzkammern gründlich durchforstet und war dadurch in der Lage, den Besucherinnen und Besuchern echte Preziosen zu präsentieren.

 

Reich beschenkt und glücklich

Auf der InterWhisky 2025 konnte man wieder einmal erleben, dass Whisk(e)y etwas ganz Besonderes, ja Einzigartiges ist: Welches andere Produkt wäre in der Lage, Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und unterschiedlich gefülltem Geldbeutel zusammenzubringen und an denselben Genüssen teilhaben zu lassen? Whisk(e)y ist für alle da, hat allen etwas zu bieten, vermag alle reich zu machen, weil er lehrt, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein. Egal, ob man die InterWhisky nun an allen drei Messetagen besucht hat oder nur an einem Tag für ein paar Stunden: Niemand ging leer aus. Alle, die dort waren, kehrten voll – äh, nein: erfüllt nach Hause zurück. So wie zum Beispiel Theo, der mit seinen drei Freunden Frederick, Maximilian und Luca aus Oberfranken angereist war und seine Gefühle tatsächlich so in Worte fasste: „Richtig geil war’s wieder; hier fühlt man sich echt wie ein König!“ James IV. und Wilhelm II. würden sicher zustimmen.

 

SAVE THE DATE

InterWhisky 2026
20. – 22. November
www.interwhisky.com


Aftermovie: Germany's Best Whisky Awards 2026 | Whisky Talk & Dinner


zurück zur Eventübersicht

Weitere News