TitelStory: Redbreast

Die Seele des irischen Pot Still Whiskeys

Redbreast ist der erfolgreichste Single Pot Still Irish Whiskey und die Hersteller setzen alles daran, dass es so bleibt. Dass dies so ist, war kein Automatismus – über die Jahre floss viel Arbeit und Herzblut in die Marke. Wer nun denkt, die Wurzeln der Marke lägen in einem kleinen, vielleicht rebellischen, irischen Whiskeybrenner, der irrt. Die Geschichte von Redbreast ist eine ganz andere. Von Bernhard Schäfer.
 

Sie beginnt mit einem Londoner Weinhändler, der Firma W&A Gilbey. Diese begann 1857 in London und kurz darauf, 1861, wurde eine Niederlassung in Dublin eröffnet. Als sogenannte „Bonders“ verfügte Gilbey’s über große Mengen an Sherryfässern, in denen sie Whiskey unter Zollverschluss reifen ließen – eine Praxis, die den Grundstein für den charakteristischen Stil von Redbreast legte. Bereits in den 1870er Jahren lagerte Gilbey’s über 300.000 Gallonen Whiskey aus Dubliner Brennereien, das waren rund 1,4 Millionen Liter. 1903 erschien erstmals ein 12-jähriger „JJ Liqueur Whiskey“ von John Jameson & Sons in einer Flasche, die späteren Redbreast-Abfüllungen auffallend ähnelte. Der Name „Redbreast“ tauchte erstmals 1912 auf, als Gilbey’s „Redbreast“ J.J. Liqueur Whiskey 12 Years Old verkaufte und der gekaufte Whiskey wurde nun in den zuvor geleerten Sherryfässern zusätzlich gereift. So entstand ein neues Destillat. Der Name „Redbreast“ selbst bezieht sich auf den Vogel „Robin Redbreast“, auf Deutsch ein Rotkehlchen und wird dem damaligen Vorsitzenden von Gilbey’s zugeschrieben, der ein begeisterter Vogelliebhaber war.

 

Die 1920er Jahre waren in Irland eine Zeit der politischen Unruhen und der wirtschaftlichen Unsicherheit. Die Prohibition in den USA, der Erste Weltkrieg, der folgende Bürgerkrieg und die wirtschaftlichen Folgen setzten auch der Whiskeyindustrie zu. Das Geld war knapp, und feiner Whiskey war ein Luxus, den sich die meisten nicht leisten konnten. Dennoch genossen die Geistlichen des Landes ein Leben von beträchtlichem Status und Komfort. Die Firma W&A Gilbey hatte das Konzessionsrecht für die Lieferung von Messwein an die Pfarrhäuser Irlands. Bei diesen Lieferungen wurde häufig eine Bestellung von Redbreast Whiskey hinzugefügt, sodass Redbreast liebevoll als „The Priests Tipple” (das Getränk der Priester) bekannt wurde. Doch um den irischen Whiskey war es insgesamt schlecht bestellt. Amerika war als Exportmarkt infolge der Prohibition weggebrochen. Auf den irischen Unabhängigkeitskrieg im Jahr 1921 folgte der irische Bürgerkrieg von 1922 bis 1923. Erschwerend kam hinzu, dass die neue irische Regierung 1932 in einen Handelskrieg mit ihrem ehemaligen Grundherrn und größten Handelspartner Großbritannien eintrat, der in einem Ausschluss von 25 % der Weltmärkte gipfelte. Als die 1930er Jahre zu Ende gingen, war die irische Whiskey-Industrie am Boden.

 

In den 1960er Jahren begann sich die irische Whiskeylandschaft dramatisch zu verändern. 1966 schlossen sich die drei letzten noch in Betrieb befindlichen Brennereien in der Republik Irland, John Power & Son, John Jameson & Son und die Cork Distilleries Company, zusammen, um ihre Ressourcen zu bündeln und ein neues Unternehmen zu gründen: Irish Distillers Limited. 1973 kam noch Bushmills dazu. Redbreast füllte zu dieser Zeit noch rund 18.000 Liter pro Jahr ab. In den 1970ern schließlich stellte Irish Distillers die Lieferungen an die „Bonder“ ein, einzige Ausnahme war die Firma Gilbey, die immer noch Ware für den Redbreast bekam. Zumindest bis die Jameson-Brennerei in der Bow Street in Dublin (heute ein wunderschönes Besucherzentrum) geschlossen wurde. Irish Distillers verlegte die Produktion sämtlicher Marken in die neue Brennerei in Midleton. Diese wurde hinter der alten Midleton-Brennerei errichtet. An einem Freitagabend im September 1975 verließen die Arbeiter die alte Brennerei, um am Montag darauf in der neuen zu beginnen. Die letzte Abfüllung von Redbreast unter dem Gilbey’s-Banner erfolgte 1985. Schließlich, 1986, schloss Gilbey’s, das die Reifung von Redbreast in seinen Gewölben in der Harcourt Street längst eingestellt hatte, eine Vereinbarung über den Verkauf des Markennamens an Irish Distillers.

 

1988 war ein weiteres Schicksalsjahr für den irischen Whiskey, als Pernod Ricard Irish Distillers erwarb und dank massiver Investitionen die Renaissance des irischen Whiskeys einleitete. Redbreast war zunächst verschwunden, bis Irish Distillers Ende 1991 die Marke wiederbelebte, und zwar mit einem 12-jährigen Single Pot Still Whiskey, gereift in einer Kombination aus Bourbon- und Sherryfässern. In Peter Mulryan’s Standardwerk „The Whiskeys of Ireland“ von 2002 ist zu lesen: „A continuation of the great tradition of pure pot still whiskeys, made from a mixture of malted and unmalted barley. Harder and oilier than other […] some blends may have ‘pot still character’, but this is where you can experience the real thing […] A unique experience.“

 

Vom Erfolg beflügelt, folgte 2005 der erste 15 Jahre alte Redbreast, zuerst noch als Jubiläumsabfüllung für La Maison du Whisky aus Paris. Mit dem langsamen Einsetzen zunehmender Popularität von Whiskey aus Irland wurde auch Redbreast diversifiziert. 2011 kam der erste 12-Jährige in Fasstärke auf den Markt – direkt vom Fass und ohne Zusatz von Wasser; daher unterscheidet sich jede Abfüllung in Bezug auf den Alkoholgehalt geringfügig vom vorherigen Batch. Dann ging es munter weiter: Redbreast 21 Jahre, mit zum Teil noch älteren Destillaten, und dann wurde begonnen, stärker mit den Sherryfässern zu arbeiten. Mano a Lámh als Sammleredition, 100 % in Sherryfässern. 2016 folgte der Redbreast Lustau, ein Sherry-Finish mit Fässern aus der berühmten Bodega Lustau in Jerez. Es folgten diverse jährliche Abfüllungen der „Dream Cask“-Reihe – besonders alte Destillate, limitiert und mit Sherry- oder Port-Einfluss – und eigentlich die perfekte Spielwiese für den jeweiligen Master Blender. Der älteste Redbreast, den es derzeit gibt, ist eine Abfüllung, die 27 Jahre Zeit hatte, zur Perfektion zu reifen.

Was macht ein Master Blender?

Handelt es sich bei einem Whiskey nicht um ein Single Cask, werden immer mehrere Fässer in einem Batch zusammen vermählt und dann abgefüllt. Damit alles perfekt schmeckt, braucht es einen Fachmann oder eine Fachfrau, die diesen Prozess entwickelt, begleitet und verantwortet. Die Kunst des Blenders besteht darin, Fässer unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Füllung in Einklang zu bringen, um ein perfektes Gleichgewicht zwischen dem Einfluss des Holzes und der Spirituose in jedem Whiskey zu erreichen. Viele Jahre war der Master Blender Billy Leighton, der nun den Titel Master Blender Emeritus trägt. So ist er zwar mehr oder minder in Rente, Irish Distillers kann aber immer noch auf seine Unterstützung, Expertise und Hilfe zählen. Aktueller Master Blender ist Dave McCabe, der bereits seit 15 Jahren bei Irish Distillers in unterschiedlichen Positionen tätig ist. Die Basis für Redbreast ist stets eine Maische aus gemälzter und ungemälzter Gerste, dreifach destilliert in Kupferbrennblasen. Die Reifung erfolgt in einer Kombination aus Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern, wobei der Sherry-Einfluss das Markenzeichen der Marke ist. Redbreast, der sich eine treue Anhängerschaft unter Kennern aufgebaut hat, ist der weltweit meistverkaufte Single Pot Still Irish Whiskey (laut IWSR 2024 Data). Im Jahr 2022 überschritt er erstmals die Verkaufszahl von 100.000 Cases, was rund 1,3 Millionen Flaschen entspricht.

 

Hergestellt wird Redbreast – wie auch Jameson, Midleton Very Rare, Powers und die Spot Whiskies – in der großen Brennerei in Midleton in Cork. Auf dem Gelände ist auch noch eine kleinere „Versuchsbrennerei“, hier entstehen die experimentellen Destillate der Marke Method and Madness. Anders als noch in den 1970er Jahren ist der irische Whiskey heute zu einem Global Player geworden: 90 % der Produktion werden exportiert, und im Jahr 2024 überschritten die Exporte die Marke von 1 Milliarde Euro. Es konnten mehr als 16 Millionen Cases verkauft werden – ein unglaublicher Boom! Zum Vergleich: In den 1970er Jahren waren es gerade mal 400.000 Cases, 4,4 Millionen 2008
und 6,2 Millionen 2013.

 

www.redbreastwhiskey.com

Q&A mit Billy Leighton

Herr Leighton, wie würden Sie Ihre unglaubliche Karriere als Master Blender für Redbreast mit wenigen Worten beschreiben?  
Ich würde meine Karriere als sehr kooperativ und völlig unerwartet beschreiben. 1976 begann ich als Buchhaltungspraktikant bei Irish Distillers zu arbeiten. Dann, eines Tages im Jahr 1988, äußerte ich mein Interesse an einer Tätigkeit in der Produktion, und schon am nächsten Tag brachte ich meine Sicherheitsschuhe mit und legte los! Ich arbeitete in verschiedenen Funktionen in den Bereichen Abfüllung, Lagerung, Reifung und Blending, bevor ich 2004 zum Master Blender der Midleton Distillery ernannt wurde. Als ich 1976 anfing, hätte ich mir nie träumen lassen, dass meine Karriere so verlaufen würde – ich schätze mich sehr glücklich.

 

Was würden Sie als den heikelsten Aspekt Ihrer Arbeit bezeichnen?
Innovation und die Entwicklung neuer Produkte sind wichtige Bestandteile der Aufgabe eines Master Blenders. Nach fast zwei Jahrzehnten Erfahrung als Master Blender war der heikelste Aspekt meiner Arbeit jedoch die Prognose – die Einschätzung, welche Vorräte angelegt werden müssen, um die Nachfrage für die kommenden Jahrzehnte für große Marken wie Jameson und Redbreast zu decken.

 

Redbreast gilt weithin als Maßstab für Single Pot Still Whiskey. Wie würden Sie die DNA der Marke charakterisieren und was unterscheidet sie von anderen?
Redbreast gilt als der Inbegriff des traditionellen irischen Spirituosenstils – der Single Pot Still-Stil ist einzigartig in Irland. Was die Redbreast-Familie wirklich von anderen unterscheidet, ist der Beitrag der Sherry- und Portweinfässer – diese Weinfassreifung harmoniert mit dem Pot-Still-Stil und verleiht dem Whiskey während der Reifung verstärkte Noten von Früchten, Nüssen und Feigen, um nur einige zu nennen.

 

Welche besonderen Sorten sind derzeit erhältlich, und gibt es eine, die Sie besonders empfehlen würden?
Es gibt einen Redbreast für jeden Anlass – von unserem charakteristischen Redbreast 12 Year Old über unsere „Iberian Series“ bis hin zu unserem Redbreast 27 Year Old. Redbreast 18 Year Old ist der neueste Whiskey in der Redbreast-Familie und der erste, der neben unserer charakteristischen traditionellen Reifung in Bourbon- und Oloroso-Sherryfässern auch Cream-Sherry-Fässer verwendet. Dies verstärkt den Geschmack des Whiskys mit reichen Noten von schwarzen Johannisbeeren, Haselnüssen und Schokolade. Die komplexe Mischung der verschiedenen Fassarten für den Redbreast 18 Year Old trug dazu bei, eine ausgeprägte Geschmackstiefe zu entwickeln.

 

Wie sehen Sie die Rolle von irischem Whiskey auf dem Weltmarkt neben Scotch und Bourbon?
Irischer Whiskey spielt eine immer wichtigere Rolle auf dem Markt für hochwertige Whiskeys, da das Angebot an Super-Premium-, Prestige- und sogar extrem seltenen irischen Whiskeys wie der Midleton Very Rare Silent Distillery Collection, Irlands älteste Whiskey-Kollektion, Midleton Very Rare The Pinnacle Vintage und Redbreast 27 Year Old stetig wächst. Heute konkurrieren einige unserer Produkte mit den besten Whiskeys in den Köpfen der Luxus-Whiskey-Konsumenten und -Sammler und ebnen den Weg für eine neue Ära des Luxus-Whiskeys.

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