TasteForum: Ein Expertenurteil über Premium Whisky aus Schottland

Whisky im Test

Auch im Jahr 2026 haben wir wieder einige Experten zu unserem großen „Whisky-Botschafter Taste Forum“ eingeladen, um im Hotel Trompeterschlössle einige Whiskys zu testen. Die Jury musste insgesamt zwei Mal ran. Einmal zum Thema „Premium-Whisky“ und einmal ging es um „Einsteiger-Whisky“. Wie das ausgegangen ist, lesen Sie in der kommenden Ausgabe. Hier blicken wir auf Premium-Whiskys mit einem Alter von 18 bis 30 Jahren. Von Bernhard Schäfer.

 

Premium-Whisky lautet unser Thema. Der Begriff sagt sich, besonders bei Mitarbeitern aus der Marketingabteilung, schnell mal so dahin. Das ist einerseits verständlich, denn gern will man etwas Besonderes, also Premium, sein. Das Wort leitet sich vom lateinischen Begriff praemium ab. Ursprünglich bedeutete praemium so viel wie „Belohnung“, „Vorteil“ oder auch „Beute“. In seiner heutigen Form und Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch ist es ein Synonym für erstklassig, erster Güte oder hochwertig. Im Englischen, und damit haben wir bei Whisky ja gern zu tun, ist es noch näher an der lateinischen Bedeutung, und „Premium“ bedeutet einen Auf- oder Zuschlag. Bei Whisky spricht man dann eher von „Luxe“ oder „De Luxe“.

 

Aber beim Whisky gibt es keine wirkliche Definition. Bei Blends sprach man schon früher oder tut es heute noch von „De luxe Blends“, wenn diese einen höheren Anteil von Single Malt aufwiesen und dadurch teurer verkauft wurden. Es gab/gibt zwar etwas wie ein Agreement, dass man dann über 50% Malt-Anteil spricht, aber in Stein gemeißelt ist das natürlich nicht. Letztendlich spricht jeder Hersteller eine eigene Sprache und was für den einen Premium ist, muss es nicht für einen anderen Hersteller ebenfalls sein. Vor diesem Dilemma standen wir bei der Auswahl der Whiskys ebenfalls und haben versucht, uns einfach auf länger gereifte und besondere Whiskys zu konzentrieren. Viele davon bewegten sich im Bereich von 18 bis über 30 Jahren Reifezeit. Gleichzeitig zeigte sich bereits bei der Vorbereitung, dass Premium heute keineswegs automatisch bedeutet: möglichst dunkle Farbe, maximale Fassdominanz oder reine Kraft. Und dann noch ein Tipp von R.J.S. McDowall aus seinem Buch: The Whiskies of Scotland (1967) „In other words there is nothing for it but to remove the Cork and taste the contents, but it is well to remember that a de Luxe whisky can easily be made from a good blend simply by adding a little good malt. I like a blend of John Haig two thirds and Glen Mhor one-third.”

 

Die Technik

Um bei einer Whiskyverkostung zu verlässlichen und aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, sind mehrere Aspekte entscheidend. Zunächst sollte die Verkostung unter sogenannten „Blindbedingungen“ stattfinden – das bedeutet, dass die Teilnehmenden nicht wissen, welchen konkreten Whisky sie bewerten. Eine vollständige Blindverkostung ist jedoch nicht immer sinnvoll. Deshalb wurden die Proben in sogenannte Flights gruppiert, zunächst nach Altersstufen und innerhalb dieser nach Alkoholvolumen geordnet. Whiskys in Fassstärke wurden separat in einem eigenen Flight verkostet.

 

Den Verkostern wurde mitgeteilt, wenn es sich um Fassstärke handelte oder in dem Flight spezielle Fässer für die Reifung zum Einsatz kamen. Die Bewertung erfolgte auf Basis eines 100-Punkte-Systems, das Aspekte wie Farbe, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck berücksichtigt. Ein weiterer entscheidender Faktor bei der Durchführung einer Tasting-Runde ist die Größe und Vielfalt des Verkosterpanels. Während viele Wettbewerbe mit fünf bis sieben Jurymitgliedern arbeiten – manchmal auch mit weniger –, ist eine kleinere Gruppe nur bedingt sinnvoll. In unserem Fall setzte sich das Panel aus zwölf  Personen zusammen. Eine größere Runde bietet den Vorteil, dass einzelne Ausreißer-Bewertungen weniger Einfluss auf das Gesamtergebnis haben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Probe bei einer Person ganz anders ankommt als beim Rest. In größeren Gruppen wird dieser Effekt besser ausgeglichen. Die Whiskys waren in Flights nach Alter und Stilistik geordnet. Fassstarke Abfüllungen wurden separat behandelt. Insgesamt standen 32 Whiskys auf dem Tisch.

 

Die Jury bestand aus zwölf Verkostern aus Deutschland und der Schweiz – darunter Händler, Destillateure, Brand Ambassadors und Fachjournalisten. Gerade diese Mischung machte die Ergebnisse interessant. Unterschiedliche Hintergründe führten auch zu unterschiedlichen Perspektiven auf Aroma, Reife und Stilistik. Mit dabei waren unter anderem Jonas Klöckner von der Birkenhof Brennerei, Dominik M. Falger von der Embury Bar Frankfurt, Claudio Bernasconi von World of Whisky, Daniel Kissling von The Whisky Cask Company sowie Marcel Rohner von Lateltin AG. Bewertet wurde nach einem 100-Punkte-System. Auffällig war dabei, wie  homogen die Spitzenergebnisse ausfielen. Gerade die besten Whiskys erhielten von nahezu allen Juroren sehr hohe Bewertungen – ein klares Zeichen dafür, dass Qualität hier nicht nur subjektiv wahrgenommen wurde.

 

Die Flights

Schon Flight 1 zeigte ein ordentliches Niveau. Überraschend setzte sich hier allerdings kein großer Prestige-Name durch, sondern der Fettercairn 18 YO mit durchschnittlich 85 Punkten. Der Whisky überzeugte durch Klarheit und Balance. Dahinter folgten Glenmoray 18 YO und Glenlivet 18 YO nahezu gleichauf.

 

Ab Flight 2 zog das Niveau deutlich an. Aberlour 18 Double Sherry Cask Finish gewann den Flight knapp vor dem Port Charlotte 18 YO und dem Bowmore 18 Jahre Sherry Oak. Interessant war dabei vor allem die stilistische Breite. Rauch, Sherry, maritime Noten lagen eng beieinander.

 

Richtig spannend wurde es jedoch in Flight 3 und 4. Hier zeigte sich eine enorme Leistungsdichte. Dailuaine 21 YO setzte sich gegen prominente Konkurrenz wie  Benromach, Benrinnes und Glenfarclas durch. Besonders auffällig: Die Jury bevorzugte häufig jene Whiskys, die trotz langer Reifung Frische und Brennereicharakter bewahren konnten.

 

Flight 4 markierte endgültig den Übergang in die internationale Spitzenklasse. Glenmorangie The Altus 25 YO gewann mit 91,9 Punkten knapp vor Royal Brackla 25 YO und Glengoyne 25 YO. Gerade hier zeigte sich, dass Eleganz und Finesse deutlich höher bewertet wurden als reine Fasswucht.

 

Der letzte Flight war schließlich das eigentliche Finale des Tages. Benriach 31 YO gewann die Gesamtwertung mit 92,3 Punkten, dicht gefolgt von Laphroaig 30 YO und Tomatin 30 Jahre. Alle Abfüllungen dieses Flights bewegten sich oberhalb der 90-Punkte-Grenze.

 

Die Analyse

Die spannendste Erkenntnis des Abends war vielleicht, dass die Jury erstaunlich geschlossen bewertete. Zwar gab es individuelle Favoriten, doch die Spitzengruppe wurde von fast allen Verkostern ähnlich wahrgenommen. Besonders auffällig war die Begeisterung für gereifte Whiskys mit Präzision und Eleganz. Sehr holzbetonte oder aggressive Abfüllungen hatten es deutlich schwerer. Statt Fassdominanz überzeugten vielmehr jene Whiskys, die trotz hohen Alters Frische und Struktur bewahren konnten. Der Benriach 31 YO ist dafür das perfekte Beispiel. Viele Juroren beschrieben ihn als nahezu perfekt integriert. Frucht, Rauch, Süße und Holz wirkten nicht nebeneinander, sondern vollständig miteinander verwoben. Auch der Laphroaig 30 YO beeindruckte weniger durch rohe Kraft als durch seine aristokratische Ruhe. Der Rauch war präsent, aber deutlich feiner und komplexer als bei jüngeren Islay-Abfüllungen. Bemerkenswert war zudem, dass einzelne Verkoster teilweise außergewöhnlich hohe Einzelwertungen vergaben. Trotzdem blieb die Gesamtstreuung erstaunlich gering.

 

Premium Whisky und die aktuelle Marktlage

Interessant waren auch die Einschätzungen der Jury zur aktuellen Situation des Premium-Marktes. Mehrere Teilnehmer beschrieben einen vorsichtigeren Konsumentenmarkt. Dominik M. Falger von der Embury Bar Frankfurt beobachtet zwar weiterhin großes Interesse an Premium-Whisky, allerdings nicht mehr in der Breite wie noch vor einigen Jahren. Daniel Kissling sieht besonders in der Schweiz eine gewisse Zurückhaltung: „Das Geld wäre eigentlich da.“
Gleichzeitig werde aber deutlich stärker verhandelt als früher. Auch die Produktionsentwicklung wurde kritisch diskutiert. Mehrere Juroren äußerten Skepsis gegenüber modernen Fassstrategien, bei denen junge Whiskys über sehr aktive Fässer künstlich schneller aromatisch aufgeladen werden sollen. Gerade deshalb wirkte diese Verkostung fast wie ein Gegenentwurf zum schnellen Effekt. Gewonnen haben am Ende jene Whiskys, die Zeit, Reife und Authentizität zeigten.

 

Fazit

Das Taste Forum Premium 2026 zeigte, wie vielfältig gereifter Single Malt sein kann. Von eleganten Speyside-Malts über maritime Highland-Stilistiken bis hin zu alten Islay-Legenden war praktisch jede große Whiskywelt vertreten. Vor allem aber zeigte die Verkostung, dass sich der Begriff „Premium“ verändert hat. Die Jury bevorzugte nicht die lautesten oder extremsten Whiskys. Vielmehr überzeugten jene Abfüllungen, die Balance, Tiefe und Präzision miteinander verbinden konnten.

Verkoster aus Deutschland

Dominik M. Falger, Bar Manager, Kimpton Bar Frankfurt, Gründer Embury Bar
Jonas Klöckner, Destillateurmeister, Birkenhof Brennerei
Bernhard Schäfer, Chefredakteur, Der Whisky-Botschafter
Susanne Simon, Inhaberin, Feinbrennerei Simon’s
Andreas Schwarz, Key Account Manager Süddeutschland, Sprithöker
Marcus Wolff, Brand Ambassador, Stock Spirits Group

 

Verkoster aus der Schweiz

Claudio Bernasconi, Founder World of Whisky, Founder Waldhaus am See
Martin Herrmann, Key Account Manager Whisky, Dettling & Marmot AG
Nathalie Schaltegger, Verkaufsleiterin ZH und Ostschweiz, Best Taste Trading GmbH
Heidi Lüdin, Inhaberin The Whisky Store, Rapperswil-Jona
Daniel Kissling, The Whisky Cask Company & The Gurten Farmhouse Distillery
Marcel Rohner, Leiter Aussendienst, Latelin AG


Die Ergebnisse

Bilder zum Artikel:


Bezugsquellen

Deutschland

 
 

Schweiz

 

 

Alba Import oHG
(Bladnoch)
www.albaimport.de

 

Bacardi GmbH
(Aberfeldy, Royal Brackla)
www.bacardi.com

 

Brown-Forman Deutschland GmbH
(The Glendronach, Benriach)
www.brown-forman.com

 

Diageo Germany GmbH
(Clynelish, Talisker)
www.diageo.com

 

Kammer-Kirsch GmbH
(Tomatin)
www.kammer-kirsch.de

 

Kirsch Import GmbH & Co. KG
(Benromach, Signatory)
www.kirschwhisky.de

 

Moët Hennessy Deutschland GmbH
(Ardbeg Vintage, Glenmorangie)
www.moet-hennessy.de

 

Reidemeister & Ulrichs GmbH
(Bruichladdich)
www.ruu.de

 

Willam Grant & Sons Deutschland GmbH
(Glenfiddich, The Balvenie)
www.williamgrant.com

 

Rising Brands GmbH
(Old Particular Douglas Laing)
www.risingbrands.de

 

Sierra Madre GmbH
(Balblair, Old Pulteney)
www.sierra-madre.de

 

SPRITHÖKER GmbH
(Bunnahabhain)
www.sprithoeker.de


Suntory Global Spirits Deutschland GmbH
(Bowmore, Laphroaig)
www.suntoryglobalspirits.com

 

Pernod Ricard Deutschland GmbH
(Aberlour)
www.pernod-ricard.com

 

Stock Spirits Group
(Glengoyne, Tamdhu)
www.stockspirits.com

 

Mack & Schühle AG
(Fettercairn, Glen Moray, The Dalmore)
www.mus.de

Baur au Lac Vins
(Bladnoch)
www.bauraulacvins.ch

 

Bacardi Martini Patrón International GmbH
(Aberfeldy, Royal Brackla)
www.bacardilimited.com

 

Charles Hofer SA
(Glengoyne, Tamdhu)
www.charleshofer.ch

 

Dettling & Marmot AG
(Bunnahabhain, Glenfiddich, The Balvenie, The Glendronach, Benriach)
www.dettling-marmot.ch


Diageo Suisse SA
(Clynelish, Talisker)
www.diageo.com

 

DIWISA AG
(Glen Moray, Glenfarclas)
www.diwisa.com

 

Haecky Import AG
(Bowmore, Fettercairn, The Dalmore, Laphroaig, Douglas Laing)
www.haecky.ch

 

Lateltin AG
(Bruichladdich)
www.lateltin.com


Moët Hennessy Suisse SA
(Ardbeg, Glenmorangie)
www.moet-hennessy.ch

 

Paul Ullrich AG
(Benromach, Tomatin)
www.ullrich.ch

 

Pernod Ricard Swiss AG
(Aberlour)
www.pernod-ricard-swiss.com

 

World of Whisky AG
(Signatory Vintage, Signatory Waldhaus am See)
www.worldofwhisky.ch

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